Kleinunternehmer und OSS in Shopify: Steuern richtig einstellen

Shopify weist auf der Rechnung 19 % MwSt. aus, obwohl Sie Kleinunternehmer sind? Oder Sie verkaufen in andere EU-Länder und wissen nicht, welcher Steuersatz gilt? Was die Kleinunternehmerregelung, die 10.000-Euro-Schwelle und OSS bedeuten und wie Sie Shopify passend einstellen.

Uğur KeskinGründer @Shopiuzman7 Min. Lesezeit
Kleinunternehmer und OSS in Shopify: Steuern richtig einstellen

Zwei Fragen tauchen in deutschen Shopify-Foren immer wieder auf: „Ich bin Kleinunternehmer, warum zeigt Shopify trotzdem 19 % Mehrwertsteuer an?“ und „Ich verkaufe auch nach Österreich und Frankreich – welcher Steuersatz gilt?“ Beides hängt mit drei verschiedenen Regeln zusammen, die leicht verwechselt werden: der Kleinunternehmerregelung, der EU-Schwelle von 10.000 Euro und dem OSS-Verfahren.

Dieser Ratgeber erklärt die Unterschiede und zeigt, wo Sie die passenden Einstellungen in Shopify finden.

Hinweis: Dieser Beitrag erklärt die Einstellungen in Shopify und ist keine Steuerberatung. Welche Regel für Sie gilt, klären Sie bitte mit Ihrer Steuerberatung. Auch Shopify weist darauf hin, dass der Support bei Einstellungen hilft, aber keine steuerliche Beratung leisten kann.

Drei Regeln, die oft verwechselt werden

1. Kleinunternehmerregelung (§ 19 UStG)

Kleinunternehmer weisen auf ihren Rechnungen keine Umsatzsteuer aus und können im Gegenzug keine Vorsteuer abziehen. Seit dem 1. Januar 2025 gelten neue Grenzen:

  • Gesamtumsatz im Vorjahr höchstens 25.000 Euro und
  • Gesamtumsatz im laufenden Jahr nicht mehr als 100.000 Euro.

Die 100.000-Euro-Grenze ist eine harte Grenze: Mit dem Umsatz, durch den sie überschritten wird, endet die Regelung sofort. Im Gründungsjahr kommt es darauf an, dass der Umsatz 25.000 Euro nicht übersteigt. Neu ist seit 2025 außerdem eine EU-weite Kleinunternehmerregelung, die eine gesonderte Anmeldung voraussetzt.

2. Die EU-Schwelle von 10.000 Euro

Verkaufen Sie an Privatkunden in anderen EU-Ländern, gilt für diese Fernverkäufe grundsätzlich die Umsatzsteuer des Ziellandes. Solange Ihre Verkäufe in alle anderen EU-Länder zusammen im Jahr 10.000 Euro nicht übersteigen, können Sie stattdessen den deutschen Steuersatz berechnen. Diese Ausnahme meint Shopify, wenn in den Steuereinstellungen von der „Befreiung für Kleinstunternehmer“ (englisch: Micro-business exemption) die Rede ist.

3. Der One-Stop-Shop (OSS)

Liegen Ihre EU-Fernverkäufe über der Schwelle, schulden Sie die Umsatzsteuer des jeweiligen Ziellandes. Damit Sie sich nicht in jedem Land registrieren müssen, gibt es das OSS-Verfahren: Sie melden diese Umsätze gesammelt in einer vierteljährlichen Erklärung über das Bundeszentralamt für Steuern.

Der häufigste Denkfehler

Die Option „Befreiung für Kleinstunternehmer“ in Shopify klingt nach Kleinunternehmerregelung, ist es aber nicht. Laut Shopify-Hilfe berechnet Shopify mit dieser Einstellung den Steuersatz Ihres Registrierungslandes auf alle Bestellungen innerhalb der EU. Ein deutscher Shop berechnet damit also deutsche Umsatzsteuer, auch bei Bestellungen aus Österreich oder Frankreich. Für Kleinunternehmer nach § 19 UStG, die gar keine Umsatzsteuer berechnen, ist das in der Regel nicht die richtige Einstellung.

Shopify einstellen: wenn Sie Kleinunternehmer sind

  1. Keine Umsatzsteuer erheben: Prüfen Sie unter Einstellungen > Steuern und Zollgebühren, ob für die EU bzw. Deutschland eine Registrierung hinterlegt ist, unter der Shopify Steuern berechnet. Ist das der Fall, besprechen Sie mit Ihrer Steuerberatung, ob sie entfernt werden sollte.
  2. Produkte prüfen: Jedes Produkt hat die Option, Umsatzsteuer zu erheben. Shopify berechnet Steuern nur für Produkte, bei denen diese Option aktiv ist. Viele Kleinunternehmer stellen erst nach einem Blick auf die Produkte fest, warum trotz geänderter Einstellungen noch Steuer erscheint.
  3. Testbestellung auslösen: Im Checkout und in der Bestellbestätigung darf keine Umsatzsteuer ausgewiesen werden.
  4. Hinweis im Shop anpassen: Ein Zusatz wie „inkl. MwSt.“ ist für Kleinunternehmer irreführend. Ersetzen Sie ihn über Onlineshop > Themes > Standard-Theme-Inhalte bearbeiten durch einen Hinweis wie „Gemäß § 19 UStG wird keine Umsatzsteuer berechnet.“
  5. Hinweis auf der Rechnung: Der gleiche Hinweis gehört auf die Rechnung. Shopify erstellt in Deutschland keine vollständigen Rechnungen von selbst; üblich sind Rechnungs-Apps wie easybill oder Sufio oder eine Anbindung an Ihre Buchhaltung.

Verkaufen Sie als Kleinunternehmer auch in andere EU-Länder, klären Sie mit Ihrer Steuerberatung, wie diese Umsätze zu behandeln sind und ob die EU-weite Kleinunternehmerregelung für Sie infrage kommt.

Shopify einstellen: wenn Sie Umsatzsteuer berechnen

Laut Shopify-Hilfe wählen Sie unter Einstellungen > Steuern und Zollgebühren im Bereich Europäische Union eine der folgenden Registrierungsarten:

  • Befreiung für Kleinstunternehmer: Ihre EU-Verkäufe ins Ausland liegen bei höchstens 10.000 Euro pro Jahr, und Sie melden die Umsatzsteuer bei Ihrem Finanzamt. Shopify berechnet dann den deutschen Steuersatz auf alle EU-Bestellungen, die aus Deutschland versendet werden. Diese Option ist nicht verfügbar, wenn Sie mehr als eine Umsatzsteuer-Registrierung haben.
  • One-Stop-Shop-Registrierung (englisch: One-Stop Shop registration): Sie melden Ihre EU-Fernverkäufe über OSS. Shopify berechnet den Steuersatz des jeweiligen Ziellandes.
  • Länderspezifische Registrierung (englisch: Country-specific registration): Sie sind in einzelnen EU-Ländern direkt registriert und melden dort.

Überschreiten Sie im Lauf des Jahres die 10.000-Euro-Schwelle, passen Sie die Registrierung an. Für Geschäftskunden in anderen EU-Ländern mit gültiger USt-IdNr. gibt es zusätzlich die Einstellung für das Reverse-Charge-Verfahren. Damit die Preise im Shop korrekt angezeigt werden, prüfen Sie unter derselben Seite, ob die Steuer im Produktpreis und in den Versandkosten enthalten ist.

Und die Rechnung von Shopify selbst?

Die Abo-Rechnungen von Shopify an Händler in der EU weisen in der Regel keine deutsche Umsatzsteuer aus und enthalten einen Hinweis auf das Reverse-Charge-Verfahren. Wie Sie diese Rechnungen buchen, auch als Kleinunternehmer, klären Sie mit Ihrer Steuerberatung.

Kurz zusammengefasst

  • § 19 UStG: keine Umsatzsteuer, Grenzen 25.000 € (Vorjahr) und 100.000 € (laufendes Jahr).
  • 10.000-Euro-Schwelle: bis dahin deutscher Steuersatz auch für EU-Kunden möglich, in Shopify die „Befreiung für Kleinstunternehmer“.
  • OSS: oberhalb der Schwelle Steuersatz des Ziellandes, gemeldet zentral beim BZSt; in Shopify die OSS-Registrierung.
  • Shopify berechnet, meldet aber nicht: Erklärung und Zahlung bleiben bei Ihnen.

Weitere Pflichtangaben für deutsche Shops fasst unsere Checkliste für einen rechtssicheren Shopify-Shop zusammen. Wenn Sie in weitere Länder verkaufen möchten, finden Sie in unserem Beitrag International verkaufen mit Shopify die nächsten Schritte.

Quellen

Häufige Fragen

Welche Grenzen gelten für Kleinunternehmer seit 2025?

Seit dem 1. Januar 2025 darf der Gesamtumsatz im Vorjahr höchstens 25.000 Euro betragen und im laufenden Jahr 100.000 Euro nicht übersteigen. Wird die 100.000-Euro-Grenze im laufenden Jahr überschritten, endet die Kleinunternehmerregelung sofort. Im Gründungsjahr gilt die Grenze von 25.000 Euro.

Ist die „Befreiung für Kleinstunternehmer“ in Shopify dasselbe wie die Kleinunternehmerregelung?

Nein. Die Option in den Steuereinstellungen von Shopify bezieht sich auf die EU-weite Schwelle von 10.000 Euro für grenzüberschreitende Verkäufe. Mit ihr berechnet Shopify den Steuersatz Ihres Heimatlandes auch auf Verkäufe in andere EU-Länder. Sie führt also nicht zu 0 % Umsatzsteuer.

Was ist OSS?

Der One-Stop-Shop ist ein Verfahren, mit dem Sie die Umsatzsteuer auf Fernverkäufe an Privatkunden in anderen EU-Ländern zentral über eine vierteljährliche Meldung beim Bundeszentralamt für Steuern erklären, statt sich in jedem Land einzeln zu registrieren.

Berechnet oder zahlt Shopify die Steuer für mich?

Shopify kann die Steuer im Checkout automatisch berechnen, führt sie aber nicht für Sie ab und reicht keine Steuererklärungen ein. Meldung und Zahlung bleiben Ihre Aufgabe.

Uğur Keskin

Autor

Uğur KeskinGründer @Shopiuzman

Gründer von Shopiuzman. Er baut, migriert und entwickelt Shopify-Shops für Marken in der Türkei, in Europa und in den USA weiter und leitet die Entwicklung unserer Apps im Shopify App Store.

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