Einen Vertrag online abzuschließen dauert wenige Klicks, ihn zu widerrufen war bisher oft umständlicher. Das hat der Gesetzgeber geändert: Seit dem 19. Juni 2026 verpflichtet der neue § 356a BGB Unternehmen im B2C-Fernabsatz, eine elektronische Widerrufsfunktion bereitzustellen, den sogenannten Widerrufsbutton. Für Shopify-Händler ist das eine praktische Frage, denn Shopify bringt dafür keine eingebaute Lösung mit.
Dieser Ratgeber fasst die Anforderungen zusammen und zeigt, wie Sie den Button im Shopify-Shop technisch umsetzen können.
Hinweis: Dieser Beitrag beschreibt die technische Umsetzung und ist keine Rechtsberatung. Lassen Sie Ihre Rechtstexte und die konkrete Lösung von einer Kanzlei oder einem Rechtstext-Anbieter prüfen.
Wer ist betroffen?
Die Pflicht gilt für Unternehmen, die mit Verbraucherinnen und Verbrauchern über eine Online-Benutzeroberfläche, also über eine Website oder App, Verträge über Waren, Dienstleistungen oder Finanzdienstleistungen schließen, sofern ein gesetzliches Widerrufsrecht besteht. Für einen typischen Shopify-Shop mit Endkundschaft trifft das zu. Die Regel geht auf die EU-Richtlinie 2023/2673 zurück, die der Bundestag am 19. Dezember 2025 in deutsches Recht umgesetzt hat.
Die Anforderungen im Überblick
- Beschriftung: „Vertrag widerrufen“ oder eine andere gleichbedeutende, eindeutige Formulierung.
- Sichtbarkeit: gut lesbar und optisch hervorgehoben, klar abgegrenzt von anderen Informationen wie AGB oder Impressum.
- Verfügbarkeit: leicht zugänglich und während der gesamten Widerrufsfrist ständig verfügbar.
- Zweistufiger Ablauf: Der Button führt zu einer Eingabemaske, in der die Kundin oder der Kunde die nötigen Angaben macht, etwa Name, Angaben zum Vertrag bzw. zur Bestellung und den gewünschten Weg für die Bestätigung. Abgeschlossen wird mit einer zweiten Schaltfläche, typischerweise „Widerruf bestätigen“.
- Eingangsbestätigung: Nach dem Absenden muss unverzüglich eine Bestätigung auf einem dauerhaften Datenträger, in der Praxis per E-Mail, mit dem Inhalt der Erklärung sowie Datum und Uhrzeit des Eingangs verschickt werden.
- Keine unnötigen Hürden: Der Widerruf darf nicht an ein Login im Kundenkonto gebunden sein, auch Gastbestellungen müssen widerrufen werden können.
Zusätzlich sollten Widerrufsbelehrung und Datenschutzerklärung an die neue Funktion angepasst werden.
Warum Shopify das nicht von selbst löst
Shopify bietet nach Angaben von eRecht24 und dem Händlerbund keine eigene Standardfunktion für den Widerrufsbutton (Stand: Mai 2026). Das Standard-Kontaktformular erfüllt die Anforderungen in der Regel nicht: Es hat keinen zweistufigen Ablauf und schickt der Kundschaft keine Eingangsbestätigung mit Inhalt und Zeitpunkt, sondern benachrichtigt nur den Shop.
Drei Wege zur Umsetzung in Shopify
1. App aus dem Shopify App Store
Inzwischen gibt es mehrere Apps für den Widerrufsbutton. Die IT-Recht Kanzlei hat im Februar 2026 einige davon auf die gesetzlichen Vorgaben geprüft, darunter „EU Widerrufs-Button & Formular“, „Widerruf Manager“ und „EU Widerrufs-Button Pro“. Achten Sie bei der Auswahl darauf, dass die App
- einen dauerhaft sichtbaren Button mit korrekter Beschriftung einbindet,
- einen zweistufigen Ablauf mit „Widerruf bestätigen“ hat,
- ohne Login funktioniert, also auch für Gastbestellungen,
- automatisch eine Eingangsbestätigung mit Inhalt, Datum und Uhrzeit verschickt,
- die Widerrufe für Sie dokumentiert,
- keine unnötigen Pflichtfelder verlangt.
Prüfen Sie außerdem, ob der benötigte Funktionsumfang in einem kostenlosen oder erst in einem kostenpflichtigen Tarif enthalten ist.
2. Lösung des Rechtstext-Anbieters
Wenn Sie Ihre Rechtstexte bereits von einem Anbieter wie dem Händlerbund, eRecht24 oder der IT-Recht Kanzlei beziehen, fragen Sie dort nach. Der Händlerbund bietet zum Beispiel ein Code-Snippet und eine Shopify-Integration an, eRecht24 eine eigene Integration. Der Vorteil: Button, Widerrufsbelehrung und Datenschutzerklärung kommen aus einer Hand und werden bei Gesetzesänderungen gemeinsam gepflegt.
3. Eigene Lösung
Eine eigene Umsetzung mit Liquid und einem Formular-Backend ist möglich, aber aufwendiger, als sie zunächst wirkt: Sie brauchen den zweistufigen Ablauf, eine zuverlässige automatische Bestätigungs-E-Mail mit Zeitstempel, eine Dokumentation der Eingänge und einen Prozess für den Fall, dass die Kundin keine Bestellnummer zur Hand hat. Sinnvoll ist das vor allem, wenn der Shop ohnehin stark individualisiert ist.
Wo der Button im Shopify-Shop hingehört
- Footer: Ein Link „Vertrag widerrufen“ im Footer ist auf jeder Seite erreichbar und bleibt dauerhaft verfügbar. Hinterlegen Sie ihn als eigenen, hervorgehobenen Eintrag, nicht versteckt zwischen AGB und Impressum.
- Kundenkonto: zusätzlich sinnvoll, aber nie als einziger Zugang, weil der Widerruf nicht vom Login abhängen darf.
- Bestellbestätigung und Bestellstatusseite: Ein Hinweis mit Link erleichtert den Weg zusätzlich. Auf der Bestellstatusseite fügen Sie Inhalte über App-Blöcke ein.
Vor dem Livegang testen
- Rufen Sie den Button auf dem Smartphone und am Desktop von mehreren Seiten aus auf.
- Lösen Sie einen Probe-Widerruf als Gast aus, ohne eingeloggt zu sein.
- Prüfen Sie die Eingangsbestätigung: Enthält sie den Inhalt der Erklärung, Datum und Uhrzeit?
- Prüfen Sie, wo der Widerruf intern ankommt und wer ihn bearbeitet.
- Gleichen Sie Widerrufsbelehrung und Datenschutzerklärung mit der neuen Funktion ab.
Fazit
Der Widerrufsbutton ist technisch keine große Sache, aber im Detail anspruchsvoll: Beschriftung, Platzierung, zweistufiger Ablauf und Eingangsbestätigung müssen stimmen. Für die meisten Shopify-Shops ist eine geprüfte App oder die Lösung des eigenen Rechtstext-Anbieters der schnellste und sicherste Weg. Welche weiteren Punkte für einen rechtssicheren Shop wichtig sind, fasst unsere Checkliste für einen rechtssicheren Shopify-Shop zusammen.
Wenn Sie Unterstützung bei der Einbindung in Ihr Theme brauchen, helfen wir im Rahmen von Shopify-Support und Wartung; die rechtliche Prüfung der Texte bleibt bei Ihrer Kanzlei oder Ihrem Rechtstext-Anbieter.
Quellen
- § 356a BGB (gesetze-im-internet.de)
- Europäisches Verbraucherzentrum Deutschland: Widerrufsbutton
- IHK Hanau-Gelnhausen-Schlüchtern: Widerrufsbutton ab Juni 2026
- eRecht24: Widerrufsbutton bei Shopify
- IT-Recht Kanzlei: Widerrufsbutton-Lösungen für Shopsysteme
- Händlerbund: Widerrufsbutton in Shopify einbinden
Häufige Fragen
Seit wann gilt die Pflicht zum Widerrufsbutton?
Seit dem 19. Juni 2026. Die Pflicht ergibt sich aus dem neuen § 356a BGB, mit dem Deutschland die EU-Richtlinie 2023/2673 umgesetzt hat. Sie gilt für Fernabsatzverträge mit Verbrauchern, die über eine Website oder App geschlossen werden und bei denen ein gesetzliches Widerrufsrecht besteht.
Wie muss der Button beschriftet sein?
Mit „Vertrag widerrufen“ oder einer anderen gleichbedeutenden, eindeutigen Formulierung. Die Schaltfläche muss gut lesbar, hervorgehoben und während der Widerrufsfrist ständig verfügbar sein.
Hat Shopify eine eingebaute Lösung für den Widerrufsbutton?
Nach Angaben von eRecht24 und dem Händlerbund bietet Shopify keine eigene Standardfunktion dafür (Stand: Mai 2026). Händler nutzen Apps aus dem Shopify App Store, Lösungen von Rechtstext-Anbietern oder ein eigenes Formular.
Reicht das normale Kontaktformular von Shopify?
In der Regel nicht. Der Ablauf muss zweistufig sein und der Kundschaft unverzüglich eine Eingangsbestätigung mit dem Inhalt der Erklärung sowie Datum und Uhrzeit des Eingangs schicken. Das Standard-Kontaktformular benachrichtigt nur den Shop.









































